Tagungsprogramm (Änderungen vorbehalten)

Freitag, den 8. Mai 2009
Tagesthema: "FremdeBlicke – EigenBlicke"

08.30

Anmeldung und Registrierung

 

10.00

Eröffnung der Tagung

  • Begrüßung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen durch die Vorsitzenden des ausrichtenden Instituts an der Ruhr, Karin Egidi und Marion Boxbücher
  • Begrüßungsworte der Ersten Vorsitzenden der Systemischen Gesellschaft, Dr. Cornelia Oestereich und Dr. Susanne Altmeyer für die DGSF
 

10.30

Eröffnungsvortrag

Prof. Dr. Peter Fuchs: "Du bist so nah, als wärest du nicht hier" – Überlegungen zur vollkommenen Alterität des SELBST

Wenn man wie ich davon ausgeht, dass das psychische System so etwas ist wie die soziale Interpretation von Hirnereignissen, wird die Frage nach dem ICH, dem DU, dem SELBST virulent. Das, was dem europäischen Herkommen nach das unverfügbare Zentrum der Innenwelt des Psychischen ist, wird zum 'Fremden' – eine Denkfigur, die der Ideenwelt der Mystik nicht fernliegt, in der das Innerste des Inneren das Äußerste und Fremdeste ist: Gott selbst. Das Celan-Zitat im Titel dieses Vortrages führt auf lyrische Weise dieselbe Paradoxie vor, zugespitzt auf die Situation der Intimität, der Liebe. Allerdings widmen sich meine Überlegungen – weniger lyrisch, weniger mystisch – der Frage, wie unter solchen Voraussetzungen überhaupt noch und wenn, wie, das SELBST modelliert werden könnte. Die These ist, dass es sich lohnen würde, ebendieses SELBST als System zu begreifen.

 

11.15

Kaffeepause

 

11.45

Parallele Subplena

Diese fünf Parallelveranstaltungen befassen sich mit Lebenslagen, in denen das Eigene und das Fremde leicht miteinander verwechselt werden. Jeweils zwei ReferentInnen leiten in die Thematik ein mit einem kurzen Referat von maximal 30 Minuten. Dabei nehmen sie Stellung mit unterschiedlicher Akzentsetzung. Diese Kurzvorträge sollen dann eine moderierte Diskussion untereinander und mit dem Publikum anregen.

Subplenum A Trauma – "Wie kann die Integration von Traumatheorie und systemischer Theorie gelingen?"
  • Nach dem Trauma: nichts ist mehr wie zuvor! – Wie können Traumata in die Lebenserzählung integriert werden? Systemische Konzepte und die Behandlung traumatisierter Menschen

    Dr. Cornelia Oestereich

    Traumatisierte Menschen berichten, dass nach dem traumatischen Ereignis alles anders ist. Ihre Lebensentwürfe, und Wertvorstellungen seien ungültig geworden. Das Trauma strukturiert die Lebenserzählung und es organisiert sich ein traumadeterminiertes System. Systemische Konzepte und Methoden ermöglichen durch ihren ressourcenorientierten, salotugenetischen Zugang und die Einbeziehung des unterstützenden Systems in die Therapie die Er-Findung neuer, sinnstiftender Narrative.

  • Begegnung zweier Welten: Systemische Theorie und Traumatheorie.

    Lydia Hantke
  • Systemische Konzepte werben mit bedeutungsoffenen, subjektiv aushandelbaren Inhalten und Herangehensweisen. Können Objektivierung und Generalisierung aus Modellen wie dem der neueren Traumatheorie eine sinnvolle Ergänzung sein?
    Die vornehmlich neurophysiologischen Modelle – so die These – ermöglichen gerade in ihrer Generalisierung eine sinnvolle Entlastung des Einzelnen und seines Systems. Eben durch die verallgemeinernde Aussage werden in tradierten Denksysteme gebundene Energien freigesetzt, wird die Suche nach Ressourcen folgerichtig. Zum anderen eröffnen erst die Generalisierungen des neuen Modells die Möglichkeit, den divergierenden Bedeutungszuweisungen an das Erlebte, wie sie in und aus multikulturellen Kontexten vorgenommen werden, angemessenen Raum zu geben.

Moderation: Prof. Dr. Maria Borcsa
 
Subplenum B Migration - Märchen aus 1001 Nacht…
     vom Nutzen fremder Geschichten in interkultureller Beratung und Therapie

    Mohammed El-Hachimi und Dr. Thomas Hegemann

    Narrative Geschichten sind gleich vielfach nutzbar – sie eröffnen Informationsquellen,  und sie öffnen Menschen für fremde Erfahrungen, Begriffe und Aktivitäten. In diesem Subplenum erleben wir die kreative Wirkung narrativer Erzählungen und ihre Nutzung für gute Kooperationen mit Menschen aus anderen Kulturen. Verschiedene Generationen erzählen sich verschiedene Geschichten, die sich leicht aus ihrer Lebens- und Migrationsgeschichte erklären. 

    Kleine Inputs zu bewährten Praxismodellen, Austausch der TeilnehmerInnen, Reflexion des eigenen Umgangs mit Fremdem und gemeinsames Üben im Nachdenken und in Bewegung bieten einen Rahmen für neue therapeutische Impulse.

 
Subplenum C Familien
  • "Es gibt keinen Weg zu einer besseren Beziehung – die bessere Beziehung ist der Weg! Bündnisrhetorik in Familien"

    Michael Grabbe

    Der Wunsch und das Bestreben nach einer guten Eltern-Kind Beziehung führt paradoxerweise oft zu einem Verlust derselben. Eltern können bei schwierigem Verhalten ihrer Kinder  in komplementäre oder symmetrische Eskalationsdynamiken geraten. Geben sie den Forderungen ihrer Kinder immer mehr nach, dann verlieren sie oft ihre Präsenz. Versuchen sie, sich massiv zu widersetzen und ihr Kind zu kontrollieren, geraten sie schnell in Machtkämpfe. Dabei wird oft mit dem Abbruch der Beziehung gedroht: „Geh in dein Zimmer, ich will dich nicht mehr sehen, du bist nicht mehr tragbar, du kommst ins Heim“. Ein Ausstieg kann gelingen, wenn Eltern/Professionelle sich dem problematischem, herausfordernden Verhalten gewaltlos widersetzen, aber gleichzeitig  beharrlich eine verbesserte Beziehung zum Kind gestalten. Wenn sie, anstatt das ihnen Fremdgewordene im Kind zu bekämpfen, den Blick auf sich und ihre Möglichkeiten lenken.

  • "Alleinerziehende Kinder" als hypno-systemischer Ausdruck familiären Wandels

    Mechthild Reinhard

    Schon vor über 30 Jahren charakterisierte Helm Stierlin  Familiensysteme als generationsübergreifende Lern- und Entwicklungsräume für eine  wechselseitige „Bezogene Individuation“. Er betonte dabei, dass es eine günstige Balance zwischen Individuationsbestrebungen GEGEN das und MIT dem Bezugssystem geben solle...Doch wie erleben wir inzwischen unsere familiäre System-Landschaft? Wie steht es um eine günstige Balance? Welche inneren Bilder von gelingender „Bezogener Individuation“ leiten uns? Ich sehe immer mehr Kinder und Jugendliche, die früh aus der selbstverständlichen Ge- und Verbundenheit von Familie aussteigen und in eigene  - der Erwachsenenwelt oft völlig fremde Computer- oder Joint-Wirklichkeiten einsteigen. Ich arbeite mit Familien, in denen die sogenannte Entfremdung zwischen den Generationen rapide zunimmt bzw. Familien, in denen Eltern sich untereinander fremd werden und in neuen Patch-Work-Systemen  ihren Kindern fremde Elternteile und Geschwister als Lösungsversuch anbieten. Und ich treffe auf Familien, wo Mütter oder Väter völlig ratlos und ohnmächtig sind, weil ihre heran gewachsenen Kinder nicht ausziehen und zudem noch mit ihnen fremden Regeln das Zusammenleben bestimmen wollen?
    Sind das  - sich selbst und andere -  „alleinerziehende Kinder“, die uns Rätsel aufgeben oder die vielleicht unsere eigenen Rätsel zu lösen versuchen? Kennen sie wohlmöglich sogar schon Antworten dort, wo wir uns noch gar keine Fragen gestellt haben oder uns die eigenen Fragen fremd geworden sind?
    Anhand von Problem-Bildern und Lösungs-Metaphern von Kindern und Jugendlichen werden hypno-systemische Ideen angeboten, die auch als Muster des Gelingens einer „Bezogener Individuation MIT“ gedeutet werden könnten, wenn wir es wollten...

Moderation: Prof. Dr. Reinhard Voß.
 
Subplenum D Paare
  • Die unbewusste Inszenierung von Leid oder: Die Bedrohlichkeit von Veränderungen in Paarbeziehungen

    Ulrich Wilken

    Glück empfinden und in Paarbeziehungen erleben setzt eine Form von Vertrauen voraus, dass man um seiner selbst Willen liebenswert ist. Die Erfahrung einer bedingungslosen Liebe ist in der jeweils eigenen Biografie häufig nicht gegeben. So können sich Leit(d)sätze entwickeln, die im Sinne selbsterfüllender Prophezeiungen dem Glück im Wege stehen und das Leid aufrecht erhalten.

  • Paarberatung: Fragen über Fragen

    Monika Schimpf

    Das alltägliche Paar-Unglück trifft uns Therapeutinnen und Therapeuten mit Kraft. Mir stellt sich oft die Frage, ob es nicht sinnvoll sein kann, nach einer Einigung mit dem Paar auch zusätzlich Einzelgespräche anzubieten, um die Erwartungshaltung an Veränderungen beim Partner, bei der Partnerin zu reduzieren und individuelle Entwicklungen anzuregen, um das Konstrukt der Paargeschichte konstruktiv zu verändern. Scheinen sich doch viele Berater und Beraterinnen einig, dass Paarkonflikte oft mit den in beiden Herkunftsfamilien angeeigneten, z.T. diametral entgegen gesetzten Glaubensprämissen zusammenhängen. Auch scheinen Verständnis und Wissen um die Verschiedenheit der Entwicklungen beider Beteiligten nicht automatisch Zufriedenheit im Umgang miteinander zu ermöglichen. Was können wir als Paartherapeuten und Therapeutinnen außer der bekannten Genogrammarbeit, Umgang mit Narrativen und gut formulierten Zieldefinitionen hinaus tun?
  • Anhand verschiedener Beispiele und Fragen aus der Praxis soll die Diskussion als Ideenschmiede angeregt werden.
Moderation: Karin Egidi
 
Subplenum E GenderBlicke
  • Gender in Bewegung: que(e)r gedacht - dynamisch gemacht

    Dr. Jutta Hartmann
  • /Gender/ und /queer/ sind vielschichtige Begriffe, die für eine identitäts- und machtkritische Auseinandersetzung mit dem Themengebiet "Geschlecht und Sexualität" stehen. Sie weisen auf ein Verständnis von Geschlecht, das Vorstellungen von festen oder gar natürlichen Bedeutungen von Frausein und Mannsein als unhaltbar zurückweist. Eine solch dekonstruktive Perspektive stellt pädagogische und psychosoziale Konzepte in Frage, die an Vorstellungen von Identitätssuche, -findung und -stärkung orientiert sind. Denn dem dekonstruktiven Paradigma folgend ist Identität nicht ohne Differenz zu denken, ist das "Fremde" als konstitutives Außen immer schon Teil des "Eigenen". Diese Erkenntnis regt in der Genderforschung einen Perspektivenwechsel an hin zu einer Auseinandersetzung mit den Konstruktionsmechanismen von Geschlecht und mit der Rolle, die unbewusste Prozesse der Identifizierung und des Begehrens dabei spielen. So verschiebt sich das Erkenntnisinteresse hin zu Fragen nach der Ausarbeitung und Gestaltung der eigenen geschlechtlichen Identität, die bisherige Grenzen befragt, ausdehnt und z.T. auch überschreitet. Aber was bedeutet es, sich und anderen Zweigeschlechtlichkeit als kulturelle Setzung bewusst zu machen und deren Funktionsmechanismen zu rekonstruieren? Welche Herausforderungen gehen damit für systemische Beratungsprozesse einher?

  • Gender in (Beratungs)Arbeit

    Andreas Haase

    Wir alle betrachten und kategorisieren - mal mehr, mal weniger bewusst und unbewusst - unsere Klienten (Männer und Frauen) mit unseren eigenen Klischees, Vorurteilen und Zuschreibungen. Brauchen wir im beruflichen und privaten Alltag solche Klischees und Zuschreibungen, um uns sicher in zwischenmenschlichen Beziehungen zu bewegen? Macht uns das Andersartige unsicher bis hin zur Angst? Sind andere Geschlechter schon so andersartig, dass sie uns fremd sind? Oder das Andersartige im eigenen Geschlecht?Wird das, was ich in mir fühle eher Frauen/dem Weiblichen oder Männer/dem Männlichen in unserer Gesellschaft zugeschrieben? Teile ich diese Meinung und Zuschreibung oder mache ich mich davon frei?Geschlecht ist ein Konstrukt. „Männliches“ bzw. „weibliches“ Verhalten ist nicht angeboren, sondern hat sich in jeder Epoche einer Gesellschaft sozial und kulturell herausbildet. Verhalten, Rollen und Hierarchien sind Kulturprodukte und von daher veränderbar. Entscheidend dabei sind die geltenden kulturellen Leitbilder und Ziele.Das hierzulande kulturell vorrangig geltende Leitbild stuft in vielen Fällen ein Verhalten, das Männer an den Tag legen immer noch höher ein, als ein Verhalten, welches Frauen an den Tag legen. Nicht nur das Verhalten von Männern oder Frauen an sich oder das Ausleben einer bestimmten Rolle prägen das Geschlechterverhältnis, sondern vielmehr die unterschiedlichen Bewertungen und Hierarchisierungen von dem, wie Männer oder Frauen denken und handeln. Was aber passiert in uns, wenn wir Gefühle entwickeln, die eher (dem) anderen Geschlecht(ern) zugeschrieben werden? Nehmen wir diese wahr und lassen wir diese zu? Zeigen wir diese im Alltag? Für unsere Beratungstätigkeit ist es unerlässlich, sich diesen persönlichen Fragen zu stellen, um somit Klienten unabhängig vom Geschlecht, bewertungsbewusst zu begegnen. Sind wir in unserem Beratungsalltag frei davon, nicht doch dem Kulturprodukt „Geschlecht“ unbewusst aufzusitzen? Bislang erleben wir noch häufig, dass dieses unreflektierte Muster der Eigengeschlechtlichkeit umso wirksamer wird, je wissenschaftlicher oder therapeutischer aus eigener (An)Sicht gedacht und gearbeitet wird. Die Kategorie Geschlecht in der Eigenreflexion als Beraterinnen/Berater mit einzubeziehen ist ein Ansatz, dieses zu verhindern.

Moderation: Wolfgang Loth
 
 

13.30

Mittagspause

 

15.00 - 18.00

Workshops

WS 1 Energetische Psychologie: zwischen Vorurteil und überraschenden Ergebnissen

Jutta Bockhold

In der Energetischen Psychologie wird auf Akupunkturpunkten geklopft: ist das ernst zu nehmende Psychotherapie? Kann man Traumen wegklopfen? Was haben Meridiane des Körpers mit unseren Emotionen zu tun? Der WS gibt Einblicke in eine fremdartig anmutende Form der Therapie und lädt dazu ein, eigene Erfahrungen zu machen. Lernen Sie das System "Energie" kennen und bekommen Sie einen eigenen Eindruck davon, ob diese Methode eine sinnvolle Ergänzung in Ihrem Methodenpool werden könnte.

 
WS 2 "Wenn die anderen schon wissen, wer Du bist" – systemisches Handeln zwischen Neugier und Vorurteil

Dr. Marie-Luise Conen

In unserer Arbeit erleben wir selbst als Therapeuten und Berater wie wir mit den Vorurteilen von Klienten über uns konfrontiert werden, die zum einen teilweise hohe Erwartungen an uns implizieren und zum anderen auch mit sich bringen können, dass Klienten uns heftig angehen. Des weiteren stecken wir selbst voller Vorannahmen und Vorstellungen über unser Gegenüber, so dass wir uns ständig dessen bewußt werden müssen, um diese positiv für unsere Arbeit zu nutzen. Marie-Luise Conen wird in dem Workshop sowohl einige theoretische Überlegungen zur systemischen Betrachtung von Vorurteilen darlegen als auch anhand von Beispielen der Teilnehmer Möglichkeiten aufzeigen, wie eigene Vorurteile und Vorannahmen in der Klientenarbeit genutzt werden können.

 
WS 3 Fremdeln auf neuen Wegen? – Vom Umgang mit dem (noch) Unvertrauten beim professionellen Helfen

Wolfgang Loth

"Die" Fremde mag locken, doch "das" Fremde wird nicht immer freudig begrüßt. Was für professionelle HelferInnen ein nahe liegender (Aus)Weg bei geschilderten Problemlagen darstellt, mag für Hilfesuchende oft zu unvertraut erscheinen, um dem mit offener Neugierde und Vertrauensvorschuss zu begegnen. Da zeigt sich oft Fremdeln angesichts neuer Möglichkeiten. Professionelle Hilfen sollten sich daher darüber klar werden, wie sie eher als ermutigende Einladung erlebt werden anstelle als drohende Überforderung. In diesem Workshop möchte ich mit den TeilnehmerInnen darüber nachdenken, wie aus noch unvertrauten Möglichkeiten motivierende Aussichten werden können. Auch wenn mir das Orientieren an Klinischen Kontrakten nahe liegt, soll der Workshop nicht darauf festgelegt sein. Es gibt Spielraum – und zum Fremdeln wird eingeladen.

 
WS 4 Sein wer man geworden ist

Michael Mary

Partner stellen in ihrer Eigenschaft als Individuen eine ständige Gefahr für ihre Beziehung dar. Sie verändern sich ob sie wollen oder nicht und öffnen damit eine Kluft zwischen Erwartung und Wirklichkeit. Letztlich ist jede Erwartung ein Vorurteil, das durch Neugier korrigiert werden kann. Im Workshop möchte ich meine Wahrnehmung von Beziehungsproblemen und der darin enthaltenen Lösungsmöglichkeiten darstellen und damit experimentieren. Es geht konkret um die Fragen "Wer hat das Problem?" und "Wer kann es lösen?"

 
WS 5 "Die Erzählung als Brücke zwischen den Kulturen" – Narrative Familientherapie mit "Fremden"

Kurt Pelzer

In diesem Workshop werden Grundideen und Arbeitsmöglichkeiten der narrativen Arbeit mit "Migrationsfamilien" vorgestellt, teilweise am Fallbeispiel ausprobiert und in der Gruppe diskutiert. Schwerpunkte sind dabei die mehrgenerationale, biografische Arbeit mit Lebensgeschichten, deren "Neuerzählung" im therapeutischen Setting und die Verwendung therapeutisch hilfreicher Geschichten. Dabei bauen Therapeut/in und Klienten indirekt eine sog. "dialogische Metakultur" auf, die Voraussetzung für ein Miteinander in der Vielfalt und eine gelungene Balance zwischen Herkunft und aktueller Lebenswelt ist.

 
WS 6 Das Tagungsthema im Raum

Dr. Ruth Sander

Was passiert, wenn die TeilnehmerInnen eines Workshops sich mit Kopf und Körper auf das Tagungsthema einlassen – mittels einer Simulation (Aufstellung) des Themas im Raum? Wenn sie Elemente definieren, die das Thema abbilden, wie z.B. das Eigene, das Fremde, die Vorurteile, die Neugier, das Wissen, und sich auf eine Such- und Forschungsreise mittels des eigenen Körpers begeben? In diesem Workshop wird es keinen Input, keine Wissensvermittlung von Referentin zu TeilnehmerInnen geben, sondern die Anwesenden werden gemeinsam den (Lern-)prozess gestalten. Am Ende des Workshops wird Zeit für eine methodische Reflexion des Prozesses eingeplant sein.

 
WS 7 Fremde Bewegungen eröffnen eigen-sinnige Dialoge. "Die Sprache der Stöcke"- ein anderer Zugang zum systemischen Dialog

Marion Schnurnberger

Die Chance, Beziehungen gelingend und entwicklungsförderlich zu gestalten wächst mit der Kompetenz Dialoge führen, und gemeinsam Neues lernen zu können. Viele Herausforderungen haben zur Folge, dass sich die Partner in ihren (Gedanken) Bewegungen in Raum und Zeit, ihren Dynamiken und Zielen aneinander und miteinander wieder neu koordinieren müssen. In solchen Prozessen entwickeln sich Ansichten, Einsichten, Weltsichten, Gewohnheiten, Vertrauen und vieles mehr. Was, wenn der Dialog in Gefahr gerät, wenn sich die Bewegungen nicht koordinieren lassen, wenn Einladungen als Angriffe verstanden werden, Rhythmen nicht zueinander passen und wenn Sprache nicht das Medium ist, in dem sich beide selbstsicher miteinander bewegen können oder wollen? In diesem Workshop möchte ich sie einladen, mit dem Medium der Stöcke das Vertraute des Dialogs mit den fremden Mitteln der Bewegung neu zu erlernen und sich so Impulse für neue (Handlungs-) Perspektiven auf ins Stocken geratene Kommunikationsprozesse zu eröffnen. Reflexionen zu Arbeitsweise und Transfer sind Themen des abschließenden Dialogs. Neugier und bewegungs-freundliche Kleidung sind von Vorteil.

WS 8 Fremde Rythmen: was tun, wenn zweier (Partner) Uhren verschieden ticken?

Prof. Dr. Jochen Schweitzer

Menschen in Beziehungen stehen ständig vor der Herausforderung, ihre eigene Bio-Rythmik auf die der anderen abzustimmen: ihrer Partner, ihrer Kinder, ihrer Kollegen, ihrer Institutionen. Wir nennen es "Zeitnot", wenn dies nicht gelingt und streben nach "Zeitwohlstand". Systemischen Beratern steht ein großes Spektrum von "Zeitinterventionen" zur Verfügung, um solche Abstimmung von Rythmen zu erleichtern. Manche davon sind Weiterentwicklungen bekannter systemischer Techniken, wie etwa Zeitlinie, Sprechchor oder Fragen nach der "Zukunft nach der Zukunft". Andere haben musikalische (Partitur) oder philosophisch-religiöse Wurzeln, wie etwa die christliche Idee der "Apokalypse als Vorletztes" oder die taoistische Zeitphilosophie.  Der Workshop lädt ein, an eigenen Fragestellungen aus Partnerschaft, Familie oder Arbeitswelt mit diesen Zeitinterventionen zu experimentieren.

WS 9 Fremde Blicke auf vertrautes Terrain - Konstruktion und Nutzung von Genogrammen

Dr. Satuila Stierlin

Genogramme sind bekannte Instrumente systemischen Arbeitens und oft hilfreich, um komplexe Familienzusamenhänge deutlich zu visualisieren - und sich dann wieder anderem zuzuwenden. Nur selten nutzen wir das ganze Potential dieser Methode. Egal, welche Begriffe wir verwenden, ob von Delegation und verdeckten Aufträgen, von Regeln, Werten und Vermächtnissen, von Bindung und Ausstossung die Rede ist, die Genogrammarbeit liefert uns mannigfaltige Anregungen, Ideen aufzugreifen und damit zu arbeiten. Im Workshop soll es um die Konstruktion von und die Fragen an Genogramme(n) gehen, aber auch um die anschließende ressourcenorientierte Nutzung der erarbeiteten Anregungen.

 
WS 10 Konfrontative Gesprächsführung mit türkischen Jungen – eine gewaltpräventive Maßnahme im pädagogischen Alltag

Prof. Dr. Ahmet Toprak

Erfahrungen in der Jugendhilfe zeigen, dass bei bestimmten Kontexten der permissiv-nachsichtige Stil bei vielen türkeistämmigen Jugendlichen nicht angenommen wird. Diese Jugendlichen sind in der Regel den Umgang mit SozialpädagogInnen gewöhnt, kennen deren Stil und handeln dementsprechend. Vielen Jugendlichen wird in der offenen Jugendhilfe in den Jugendhilfeeinrichtungen und in den Schule entweder sehr spät oder überhaupt keine Grenzen gesetzt. In diesem Workshop wird der Weg der konfrontativen Gesprächsführung gewählt, um den Fachkräften eine alternative Handlungsmethode aufzuzeigen. Ziel des Workshops ist es, die Teilaspekte und Teilmethoden des Anti-Aggressivitäts-Trainings in den Beratungsalltag mit einzelnen Jugendlichen zu transferieren.

 
WS 11

Natürlich! – oder vielleicht doch nicht? Zum Umgang mit „abweichenden“ sozialen Konstruktionen

Prof. Dr. Ulrike Willutzki.

 Alltäglich und in der Arbeit mit unseren KundInnen treffen wir auf sehr unterschiedliche soziale Subkulturen, deren Regeln, Normen und Orientierungsmuster zumeist implizit bleiben: Ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, dass vieles von dem, was wir über die Welt denken und von ihr und anderen erwarten „natürlich“ ist. In diesem Workshop möchte ich gern ins Gespräch kommen über Situationen in der Arbeit, bei denen wir mit diesen Unterstellungen in Schwierigkeiten geraten. Das kann vielleicht in der Arbeit mit Jugendlichen sein, deren Vorstellungen von Männer- und Frauenrollen sich von unserer stark unterscheidet. In anderen Fällen kann es sich in einem ganz anderen Umgang mit Alltagsaufgaben niederschlagen. Wo bemerken wir die Fremdheit anderer sozialer Konstruktionen überhaupt? Wie bewerten wir sie, wann und warum? Wie gehen wir mit der Differenz um?

 

ab 19.30

Tagungsfest in der Gastronomie Henrich's im Industriemuseum Henrichshütte



Samstag, den 9. Mai 2009
Tagesthema: "Vorurteil und Neugier"

10.00

Vortrag mit Diskussion

Seyran Ates: "Gurbetci – die in der Fremde lebenden"

Im türkischen gibt es das Wort "Gurbetci" = der in der Fremde lebende. So werden heute noch die Menschen genannt, die aus der Türkei nach Deutschland gezogen sind bzw. in Deutschland leben. Das Gefühl in der Fremde zu leben – das Heimweh – verhindert bei vielen, das Eigene in dem Fremden zu sehen.

 

11.00

Kaffeepause

 

11.30

Parallele Dialoge

Die helfende Arbeit findet zwischen Menschen statt, die sich in vielerlei Hinsicht unbekannt und fremd sind. Daraus erwächst eine Dynamik, die sich aus den unausweichlichen Voreingenommenheiten der HelferInnen und der dazu entgegen gesetzten Haltung der "guten Neugier" speist. Mit diesen Besonderheiten der Arbeit mit Menschen in den verschiedensten Feldern der systemischen Praxis befassen sich fünf parallele Dialoge, in denen ausgewiesene Fachleute ihre Erfahrungen mit dem Thema in einem offenen Dialog mit den TeilnehmerInnen diskutieren.

Dialog A Organisationsentwicklung: Paradoxien in Familien, Organisationen

Prof. Dr. Arist von Schlippe

- Paradoxien sind in Organisationen unausweichlich
- Gerade in der Mitarbeiterführung zeigen sich diese Paradoxien besonders deutlich (Stichwort: "Motivationsgespräch")
- Versuche, Paradoxien vorschnell aufzulösen, schaffen oft große Probleme
- Eine Sonderform von Organisation stellen Familienunternehmen dar. Diese sehen sich in einem besonderen Maß mit Paradoxien konfrontiert

 
Dialog B Therapie und Beratung: Professionelle Helfer als Mitgestalter eigendynamischer Prozesse

Dr. Kurt Ludewig

Der Sehnsucht eines verantwortlichen Helfers, wirksame zielgerichtete Hilfe zu leisten, wurde in der Praxis professionellen Helfens nie überzeugend erfüllt; ihr sind offenbar natürliche Schranken gesetzt. Diese auf die Autonomie lebender Systeme und so auch des Menschen zurückgehenden Schranken wurden nun auch, spätestens seit der Einbeziehung systemischen Denkens, theoretisch untermauert. Heißt dies, dass professionelle Helfer mehr oder weniger geschickt in Nebel stochern und dass professionelle Hilfe ein beliebiges, unwissenschaftliches Unterfangen ist? Mit möglichen Antworten auf diese Frage befasst sich dieser Dialog.

 
Dialog C Supervision: Supervision als ethnologische Praxis

Tom Levold

"System" und "Kultur" sind zwei Begriffe, die ganz unterschiedliche Bedeutungshorizonte und Begriffswelten für sich in Anspruch nehmen und sich daher von vorneherein in einem gewissen Spannungsverhältnis befinden. So hielt beispielsweise Niklas Luhmann sehr wenig vom Kulturbegriff. Das Dialog-Seminar soll dazu einladen, gemeinsam anhand von Fallbeispielen systemische Supervision als die Erkundung einer fremden Kultur zu beobachten und ethnologische Perspektiven für das die Praxis von Supervision in Organisationen nutzbar zu machen.

 
Dialog D Pädagogik: Fremdheit in Lernumgebungen – Lässt sich Eigenheit systemisch-konstruktivistisch herstellen?

Prof. Dr. Kersten Reich

Lernumgebungen, wie Schule oder Institutionen der Weiterbildung, sind zunächst durch Fremdheit geprägt. Internationale Beispiele veranschaulichen, dass Lernumgebungen stärker nach den Lernbedürfnissen der Lerner und nicht bloß den Gewohnheiten der Lehrenden und der Bürokratie gebaut werden könnten. Derartige Orte werden von den Lernern stärker angenommen und zugleich arbeiten sie in solchen Lernumgebungen effektiver. Was jedoch gehört zu einer „eigenen“ Lernumgebung? Welche Erfahrungen wurden gemacht und wie situiert sich Eigenes und Fremdes in diesem Kontext? Wie Lernumgebungen Vertrauen ins eigene Lernen schaffen können, soll am Beispiel von Schule und Weiterbildung diskutiert werden.

 
Dialog E Coaching: Perspektivenwechsel im systemischen Coaching – Work Life Balance

Andrea Ebbecke-Nohlen

Systemisches Coaching nutzt den Perspektivenwechsel als Methode, die Vielfalt der vorhandenen Ressourcen zu erforschen und sie für die Gestaltung der Zukunft zu nutzen. Die Verbindung von fremden Blicken und Eigenblicken ermöglicht es im Coaching, Neugier zu erzeugen, Visionen auszumalen und neue gangbare Wege für die Gegenwart zu erkunden.
Hinsichtlich der Frage nach dem Sinn des Lebens fühlen sich Menschen oft hin und her gerissen. Einige setzen auf die Arbeit und gehen darin auf, andere sehen im beruflichen Erfolg nicht ihre alleinige Erfüllung. Für sie stehen Familie und andere Lebensbereiche im Vordergrund. Besondere Herausforderungen ergeben sich immer dann, wenn gegensätzliche Bedürfnisse und Wertvorstellungen unter einen Hut gebracht und berufliches sowie privates Leben miteinander vereinbart werden sollen. Dann sind kreative Lösungen gewünscht. Wie die verschiedenen Bereiche Arbeit, Körper/Gesundheit, Familie/Freundeskreis und der Lebensbereich Sinn aufeinander abgestimmt werden können, dafür werden im Coaching passende Antworten gesucht.

 

13.00

Mittagspause

 

14.00 – 15.30

Kurzworkshops

KW 1 Fremdheit und Vertrautheit in der Psychotherapie mit Menschen anderer kultureller Herkunft

PD Dr. Hans-Jörg Assion

Die psychotherapeutische Behandlung von Menschen anderer kultureller Herkunft bedeutet, dass wir die eigenen Denkschemata hinterfragen und uns kritisch mit den formalisierten klinischen Diagnosen auseinandersetzen. Erkennen und Verstehen kulturell bedingter Unterschiede setzt eine Bereitschaft voraus, sich auf die individuell gelebten, teils unbewusst vermittelten ethnischen und kulturellen Kontexte einzulassen. Menschen mit Migrationserfahrung sind häufig in viel stärkerem Maße sozialen Belastungen ausgesetzt und haben ein höheres Risiko von traumatischen Vorerfahrungen. Im Workshop werden weitergehende Untersuchungsergebnisse vorgestellt, die das durch die Kultur bedingte differente Erleben hinsichtlich Symptompräsentation, Schmerzwahrnehmung, Krankheitserklärung, etc. beleuchten. Strukturierte psychotherapeutische Interventionen sind bisher kaum untersucht und ein laufendes Projekt einer psychosomatischen Intervention bei türkischen Patienten wird vorgestellt, bei dem das subjektive Krankheitsmodell der Patienten untersucht wird und ein interkulturelles Training für Therapeuten implementiert werden soll. Abgerundet wird der Workshop durch Krankengeschichten von Patienten, die das Fremde und Vertraute in der psychotherapeutischen Arbeit konkret verdeutlichen und Anregung zu einem gemeinsamen Austausch geben sollen.

KW 2 Das wäre doch gelacht!

Christiane Bauer

"Beratung ohne Humor ist witzlos! Fritz B. Simon"

Wie steht es mit Ihrem Humor? Wann haben Sie das letzte Mal so richtig herzhaft gelacht? Wie oft lachen Kinder - wie oft Erwachsene am Tag? Wie unterscheiden sich weiblicher und männlicher Humor? Wie ist unser Humor entstanden? Wie können wir die eigene fröhliche und humorvolle Grundhaltung intensivieren? Längst kennen wir den Nutzen von Humor auch im professionellen Bereich: in Therapie und Beratung, im (Self-) Coaching und in der Teamentwicklung. Wie können KlientInnen und KundInnen unterstützt werden, über sich zu schmunzeln anstatt die Stirn zu runzeln? Wie gelingt es ihnen, ihren Humor auszubauen und als vielseitige Ressource zu nutzen? Wie können sie angeregt werden, mit zwei lachenden Augen, eine positive Meinung über sich und "die Welt" zu entwickeln und neu gewonnenen Energien für kreative Lösungswege einzusetzen? In diesem Workshop erhalten Sie erste Anregungen und Inputs zum Thema Humor und Lachen. Sie erfahren etwas über den professionellen Einsatz von humorvoll-provokativen Tools und lernen das Humor-Mapping© kennen. Humor-Mapping© ist vielseitig einsetzbar, ob mit Einzelnen oder Gruppen, mit jungen oder alten Menschen, in Beratung oder Therapie, im Coaching oder in der Teamentwicklung, ob im "EigenBlick" oder "FremdBlick"

 
KW 3 Fremde Metaphern: Religion in Therapie und Beratung

Günther Emlein

Gelegentlich äußern Kunden religiöse Metaphern, identifizieren sich mit religiösen Geschichten oder verwenden religiöse Symbole. Der Workshop bietet Verstehensmöglichkeiten und zeigt, wie man kreativ und ressourcenorientiert mit solchen Ideen umgeht und sie hilfreich in Veränderungsprozesse integriert.

KW 4 Wenn Eltern fremdeln

Martina Furlan

Die Geburt eines Babys ist oft verknüpft mit der Erwartung, im eigenen Kind Teile von sich selbst – also „Bekanntes“ zu finden. Statt dessen ist das Baby den Eltern häufig fremd: seine Signale sind manchmal schwer zu verstehen, erwartete Glücksgefühle stellen sich nicht ein. Besonders wenn der Start ins Leben belastet ist weil das Baby z.B. unstillbar schreit oder nicht essen will, erleben Eltern Gefühle von Versagen und Wut. An Beispielen aus der „Babysprechstunde“ des Kinderschutzbund Dortmund wird ein Ansatz videogestützer Beratung vorgestellt, der die Ressourcen der Familie als Zugang zur frühen Beziehungsgestaltung nutzt.

 
KW 5 Zum Einbezug unterschiedlicher kultureller Hintergründe in die Handlungs-Diagnostik

Lydia Hantke

Diagnosen sind nicht kulturneutral. Selbst in den Diagnosemanualen stehen die culture-bound-syndromes als buntes Beiwerk zum weltweit standardisierten Diagnoseschlüssel. Jenseits der harten Realität der Abrechnungsziffern gibt es weite Felder der evidenzbasierten Diagnostik, die eher für den klinischen Alltag, sowie für Handlungsleitlinien und Zielbestimmungen relevant sind. Dass Diagnostik nicht nur festlegend und determinierend sein muss, sondern auch den Blick erweitern und den Handlungsspielraum vergrößern kann, soll mithilfe eines Instruments gezeigt werden, das der schottisch-irische Psychologe Malcolm MacLachlan in der Arbeit mit MigrantInnen und Flüchtlingen entwickelt hat: die Problem Portrait Technik ist ein einfaches Instrument, mit dem Kliniker und Klient zusammen die unterschiedlichen Bedeutungen und Begründungszusammenhänge einbeziehen können, die im Laufe eines Lebens in verschiedenen Kulturen so zusammenkommen. Die Technik soll vorgestellt und miteinander eingeübt werden. Vorsicht: macht Spaß!

 
KW 6 Umgang mit dem Vor-Ur-Teil – neugierige Teile fördern

Hans-Joachim Görges

Neutral sollen wir sein, reflektiert und stets neugierig, uns an den Anliegen aller am Prozess Beteiligten orientieren, zirkulär fragen und Hypothesen höchstens bilden, wenn es systemische sind. Das klappt nicht immer.
Manchmal ist es so, als wär's ein Teil von uns, der uns zunehmend Klienten schon am Telefon unsympathisch erscheinen lässt ("schon wieder so einer"), der zu wissen glaubt, wo's langgeht ("schließlich hab ich Erfahrung"), der Recht haben will und sich durchsetzen ("bei Angst muss man immer..."), egal, was die Klientin behauptet, die Verantwortung für Fehlschläge als erstes beim Gegenüber sieht ("die ist noch nicht soweit") oder Arbeiten überhaupt für eine blöde Idee hält.
Mit der Teilearbeit soll eine hypnosystemische Methode vorgestellt und ausprobiert werden, die es nicht nur erlaubt, solche Mitglieder unserer inneren Teams zu identifizieren, sondern auch, mit ihnen in Kontakt zu kommen und herauszufinden, worum es ihnen eigentlich geht. Mit Ihnen in Verhandlungen um hilfreiche Veränderungen zu gehen ist das Ziel des Workshops. So mancher scheinbare Blockierer mag sich dann nicht gleich als allzeit hilfsbereit erweisen, doch die Förderung der inneren Kooperation schafft eine neue Basis für mehr Arbeitszufriedenheit gerade in schwierigen Beratungsprozessen. Um wieder neugierig zu werden, zum Beispiel.

 
KW 7 ...und es funktioniert doch! Über das Oszillieren zwischen Therapie und Kontrolle in der Behandlung von (Sexual)straftätern

Dr. Alfred Wähner

Bei einer Befragung niedergelassener Therapeuten, ergab sich, dass von mehr als 200 Therapeuten in der Region kaum 3-4 Kolleg/innen bereit erklären konnten, Sexualstraftäter zu behandeln. Gleichwohl stimmten fast alle darin überein, dass eine Therapie dieser Menschen grundsätzlich notwendig ist. Das therapeutische Ziel besteht darin, den Besucher möglichst zum Kunden zu transformieren. Nach der Therapie greifen "RP-Programme" (relapse prevention), die in der Therapie Gelerntes festigen sollen. Diese im Kontext von Alkoholabstinenztherapien entstandenen Programme stehen damit maximal auf der "Kontrollseite": der Betroffene unterwirft sich einem Regime, das von der Prämisse geleitet ist, dass es etwas in ihm gibt, das nur durch maximale Schutzmaßnahmen, Aufmerksamkeit, Vorsicht und Überwachung unter Kontrolle gehalten werden kann. Dieses Etwas ist lebenslang (latent oder weniger latent) in ihm vorhanden. Es bedarf hierzu potentiell lebenslanger Begleitung und Kontrolle von außen, entweder von professionell-therapeutischer Seite oder durch Selbsthilfegruppen. Entzieht sich der Betreffende diesen regelmäßigen Kontakten, so ist die Rückfallgefahr vergrößert und Intervention erforderlich Die Gesprächsinhalte drehen sich daher immer um Gefährdung, Risiken und entsprechendes Vermeidungsverhalten. Es soll also bei "abstinenter" Lebensführung gerade keine Veränderung geschehen, das Ziel der Therapie ist erreicht, wenn möglichst lange alles so bleibt wie es ist. Genau genommen handelt es sich also nicht um Therapie im engeren Sinne, sondern um Training. Anhand dieser und anderer theoretischer Überlegungen sollen v.a. Fallbeispiele und Fallstricke, aber v.a. Lösungen vorgestellt werden.

 
KW 8 Umgang mit Vielfalt in psycho-sozialen Institutionen. Migration und Fremdheit in der Handlungspraxis

Prof. Dr. Erol Yildiz

Im institutionellen Umgang mit Migration und Fremdheit hat man bisher oft mit abstrakten, ja sogar mythischen Konzepten gearbeitet – wenn man so will mit "Utopien". Diese Utopien hatten Namen wie "Integration" oder "Interkulturalität" und trugen implizit eine weitere Utopie in sich: Die Utopie einer homogenen einheimischen Gesellschaft, welche einen Umgang finden musste mit "Fremdheit", Differenz und anderen Problemen, die durch die Einwanderung erzeugt worden waren. Entsprechend zu diesem Akzent gab es eine Ignoranz gegenüber dem Konkreten – also den Artikulationen von Migranten selbst. Die "Niederungen des Alltags" spielten keine Rolle, ja sogar wurden sie regelrecht ignoriert oder wenn sie überhaupt zur Kenntnis genommen wurden, wurden sie als Abweichung von der "hiesigen Normalität" wahrgenommen. Die konkreten Ausdruckformen wurden gewöhnlich unter Folklore vermerkt, in den letzten Jahren aber zunehmend negativ als Bestandteile einer potentiell gefährlichen "Parallelgesellschaft" oder als "fundamentalistische Orientierungen" abgewertet. Nun sind es aber gerade diese "Niederungen des Alltags", in denen sich Migranten Raum angeeignet haben, die für ihre Lebensentwürfe entscheidend sind. Wenn man dieses Verhältnis überwinden will, dann ist eine andere Perspektive unumgänglich, eine Perspektive, die von der Praxis ausgeht und nicht von normativen Setzungen, die bereits das Ziel des Prozesses bestimmen. In diesem Workshop soll die Perspektive in diesem Sinne gewechselt werden und die Lebenswelten und Biographien von Migranten in den Mittelpunkt gerückt werden. So sollen die marginalisierten Wissensarten sichtbar gemacht und als Ressourcen in der Beratungspraxis genutzt werden.

 
 

15.30

Kurze Pause

 

15.45

Vortrag

Dr. Gunther Schmidt "Die vielen "Ich's" in mir und Anderen- hypnosystemische Chancen für die Nutzung eigener und interaktioneller Vielfältigkeit für eine multikulturell tolerante Synergie"

 

16.30

"zauberhafte" Verabschiedung mit Ralf Weber

 

17.15

Ende der Tagung